Melatonin

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Melatonin ist ein Hormon, das von den Pinealozyten in der Zirbeldrüse (Epiphyse) – einem Teil des Zwischenhirns – aus Serotonin produziert wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert.

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Walter Pierpaoli, William Regelson:
Melatonin - Schlüssel zu ewiger Jugend,
Gesundheit und Fitness, April 1996[1]


Physiologie

Allgemeines

Melatonin ist ein Metabolit des Tryptophanstoffwechsels. Seine Bildung wird im Gehirn (genauer in der Epiphyse, also der Zirbeldrüse) durch Licht gehemmt. Bei Dunkelheit wird diese Hemmung aufgehoben, die Produktion steigt an und mit ihr auch die Sekretion des Melatonins. Andere Produktionsorte im Körper sind der Darm und die Netzhaut des Auges. Die Melatoninkonzentrationen steigen im Laufe der Nacht um den Faktor drei (bei älteren Menschen) bis zwölf (bei jungen Menschen) an, das Maximum wird gegen drei Uhr morgens erreicht – mit einer jahreszeitlich wechselnden Rhythmik. Die Sekretion wird durch Tageslicht gebremst. Die Bedeutung des Melatonins bei Jet-Lag und Schichtarbeit ist allgemein anerkannt, eine Anwendung von Melatonin ist in diesem Zusammenhang umstritten. Durch Koordinierung der circadian-rhythmischen Vorgänge im Körper entfaltet es seine Wirkung als Zeitgeber. Die Melatonin-induzierte Tiefschlafphase stimuliert die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatropin. Entsprechende chronische Störungen führen zur vorzeitigen Somatopause. Weitere wichtige Melatonineffekte liegen in seiner Wirkung als Antioxidans, die jedoch nicht therapeutisch genutzt werden kann. Wichtig ist auch die antigonadotrope Wirkung (Verkleinerung der Geschlechtsdrüsen) sowie das Herunterregeln vieler biologischer und oxidativer Prozesse, darauf ist insbesondere bei der Einnahme von Melatonin zu achten. Besonders eine Verringerung (aber auch eine Erhöhung) des Melatoninspiegels im Blut bewirkt Schlafstörungen oder Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus.[2]

Biosynthese

Die Biosynthese erfolgt aus Serotonin, das aus der Aminosäure Tryptophan erhalten wird, in zwei Schritten: zunächst wird Serotonin mit Acetyl-Coenzym A N-acetyliert, als Katalysator wirkt das Enzym Serotonin-N-Acetyltransferase (AANAT). Dann wird das Produkt N-Acetylserotonin mit S-Adenosylmethionin mittels der Acetylserotonin-O-Methyltransferase methyliert. Der erste Schritt ist geschwindigkeitsbestimmend, und die Aktivität seines Enzyms wird indirekt vom Tageslicht reguliert.

Abbau

90 % des Melatonins werden nach der Leberpassage durch Biotransformation mittels Cytochrom P450-Monooxygenasen zu 6-OH-Melatonin metabolisiert und in Form von sulfatierten (60–70 %) oder glucuronidierten (20–30 %) Derivaten über den Urin ausgeschieden.

Winterdepressionen

Im Winter, wenn das Tageslicht nur wenige Stunden vorhält, bleibt der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht. Als Folge davon können Müdigkeit, Schlafstörungen und Winterdepressionen auftreten. Als Gegenmaßnahme wird empfohlen, die kurze Phase von Tageslicht für Spaziergänge zu nutzen. Alternativ kommt auch eine Lichttherapie in Frage.

Melatonin-Defizit und Analytik

Für Melatonin ist bisher kein einheitlicher Defizitbegriff festgelegt worden. Dies ist umso erstaunlicher, als es in großem Umfang therapeutisch verwendet wird (s.u.). Während es bei anderen Hormonen entsprechende Konzentrationsangaben gibt, anhand derer man sich orientieren kann, ob eine Hormonsubstitution, also ein Ersetzen von fehlendem, notwendig ist (vgl. Morbus Addison), fehlen diese bei Melatonin komplett. Neben großen inter-individuellen Differenzen erschwert gerade auch die circadiane dunkelheit-abhängige Synthese des Melatonins eine einfache routinemäßige Festlegung von Norm-Laborwerten. Als Hinweis für einen individuellen Melatoninmangel kann jedoch eine hochgradige Epiphysenverkalkung erachtet werden. Hierfür gibt es auch erste Übereinstimmungen von erhöhtem Anteil verkalkten Gewebes mit einer entsprechenden Klinik, wie verminderter Schlafqualität oder mangelnder Stabilität des circadianen Systems.[3]

Analytik
Der Nachweis von Melatonin erfolgt im Serum oder Speichel mittels RIA oder ELISA. Alternativ kann auch das Melatoninabbauprodukt 6-Hydroxy-Melatoninsulfat (6-OHMS) im Urin untersucht werden, um auf die nächtliche Melatoninsekretion zu schließen.[4][5][6][7]

Bei Alzheimer Patienten ist der Verkalkungsgrad der Zirbeldrüse größer

Habilitationsschrift (Seite 24) Dr. Dieter Kunz (2006)[8]
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Degree of pineal calcification (DOC) bei Patienten mit Alzheimer-Demenz, leichter
kognitiver Störung (MCI), anderen Demenzen, Depression und gesunden Kontrollen


Die Zirbeldrüse besteht zu 80% aus Melatonin produzierenden Zellen
Das „Schlafhormon“ Melatonin wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse), einer etwa erbsengroßen Drüse im Zwischenhirn, gebildet, und zwar fast ausschließlich nachts. Die Zirbeldrüse besteht zu 80% aus Melatonin produzierenden Zellen. Schon 1958 entdeckte und beschrieb der amerikanische Hautarzt Dr. Aaron Lerner die chemische Struktur des Melatonins, nahm in einem Selbstversuch 100 mg des Hormons ein und stellte fest, dass er daraufhin müde wurde. Vor allem in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde das Melatonin dann näher erforscht, und man stellte fest, dass es u. a. das Immunsystem stärkt, das Tumorwachstum hemmt und die aggressiven, zellschädigenden Sauerstoffradikale unschädlich macht. So machte das Hormon in den Medien als Jungbrunnen und Wundermittel gegen alle möglichen Alterungserscheinungen und altersbedingten Erkrankungen Furore.[9]

Man weiß, dass die Melatoninsekretion durch den im Hypothalamus (einem Teil des Zwischenhirns) gelegenen Nucleus suprachiasmaticus, den Sitz unserer „inneren Uhr“, gesteuert wird, und zwar in Abhängigkeit von der Umgebungshelligkeit. Diese wird durch Lichtrezeptoren in der Netzhaut gemessen, die die aufgenommenen Hell-dunkel-Informationen dann an den Nucleus suprachiasmaticus weiterleiten. In den frühen Abendstunden steigt die Melatoninsekretion in der Zirbeldrüse als Reaktion auf die zunehmende Dunkelheit steil an, erreicht zwischen zwei und drei Uhr nachts ihren Höhepunkt und fällt in den frühen Morgenstunden bis in die Nähe der Nachweisgrenze ab, wo sie den ganzen Tag über bleibt.[9]

Warum Melatonin müde macht
Der abendliche Melatoninanstieg führt zu einer Erweiterung der peripheren Blutgefäße, die als Einschlafsignal wirkt. Darüber hinaus besitzt Melatonin die Fähigkeit, in alle Zellen unseres Körpers einzudringen und diesen die Information „Dunkelheit“ bzw. „Nacht“ zu vermitteln. Man vermutet, dass es auf diese Weise wie der Taktstock eines biologischen Orchesters nicht nur Schlaf und Wachsein koordiniert, sondern darüber hinaus zur Synchronisation sämtlicher Organe und Organsysteme beiträgt: Es gibt ihnen das Signal, sich auf die Aufgaben und Funktionen, die sie zum jeweiligen Zeitpunkt zu erfüllen haben, einzustellen. Melatonin sorgt also dafür, dass unser Organismus nicht „aus dem Takt“ gerät. [9]

Alzheimer-Krankheit durch Melatoninmangel?
Leider verkalkt die Zirbeldrüse im Lauf unseres Lebens und bildet mit zunehmendem Alter immer weniger Melatonin – vielleicht einer der Gründe dafür, warum ältere Menschen weniger gut schlafen und anfälliger für verschiedene Erkrankungen werden. Erwiesen ist bis 2008 allerdings nur eine Korrelation zwischen Melatonindefizit, Verringerung des REM-Schlaf-(Traumschlaf)-Anteils und Alzheimer-Demenz: In einer Studie untersuchten Wissenschaftler bei 279 Patienten mit Alzheimer-Krankheit, anderen Demenz-Formen, leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Depressionen sowie bei 37 gesunden Probanden mittels Computertomogafie den Grad der Verkalkung der Zirbeldrüse. Dabei stellten sie fest, dass Alzheimer-Patienten viel weniger unverkalktes Zirbeldrüsengewebe besaßen als die gesunden Probanden und als die Patienten mit anderen Demenzformen, Depressionen oder kognitiver Beeinträchtigung. Die Alzheimer-Demenz ist die bis 2008 einzige Erkrankung, bei der nachweislich ein REM-Schlafdefizit vorliegt.[9]

Melatonin-Exkretion sinkt mit steigendem Alter und Verkalkung der Zirbeldrüse

Bei älteren Menschen wird von der Zirbeldrüse weniger Melatonin erzeugt[8]
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Sowohl in der Nacht (a) als auch über 24
Stunden (c) wird bei älteren Menschen
weniger Melatonin erzeugt


Psychiater PD Dr. Dieter Kunz
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Dr. Kunz ist seit 20 Jahren in der
Klinischen Schlafforschung und
Klinischen Chronobiologie tätig,
Leiter der Arbeitsgruppe „Chronobiologie“,
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung
& Schlafmedizin – DGSM (www.dgsm.de)


Die Normalwerte von endogenem Melatonin nehmen mit dem Alter ab
Ein Weg, die Funktionen von endogenem Melatonin beim Menschen zu untersuchen, ist es, Normalwerte zu bestimmen und anschließend Symptome bei niedrigen bzw. hohen Melatoninwerten zu beschreiben. Die Melatoninexkretion variiert erheblich über 24 Stunden. Melatonin wird in der Leber metabolisiert und mit einer Halbwertzeit von 30- 45 Minuten als 6-sulfatoxymelatonin (aMT6s) zu ca. 95% im Urin ausgeschieden. Daher ist die Bestimmung von aMT6s im 24-Stunden-Urin eine geeignete Methode, die endogene Melatoninsekretion abzuschätzen. Bei 75 gesunden Probanden wurde Urin über 32 Stunden in fünf Fraktionen gesammelt und die jeweilige Melatoninexkretion (aMT6s) bestimmt. Die Probanden waren durch klinische Interviews charakterisiert, psychiatrische, medizinische sowie schlafbezogene Störungen wurden ausgeschlossen. Weitere Untersuchungen beinhalteten u.a. Blut- und Harnuntersuchung (incl. Drogentest), sieben Tage Aktigraphie, zwei Polysomnographien, Psychometrie (u.a. Mini-Mental-State) und Pittsburgh-Sleep Questionnaire. Die pro Stunde-Exkretion von AMT6s variierte über 24 Stunden um das bis zu 10.5-fache (Mittel 6.5) bei jungen Probanden (Alter 20 – 35 Jahre) und um das bis zu 5.4-fache (Mittel 2.8) bei älteren Probanden (Alter >65 Jahre). Die absolute Menge aMT6s über 24 Stunden (7.5 bis 58µ) sowie die Nachtfraktion (325 bis 6.074 ng/h) variierten zwischen den Probanden bis um das 20-fache. Die Melatoninexkretion über 24 Stunden sowie die nächtliche Melatoninexkretion waren negativ mit dem Alter assoziiert.

Die Zirbeldrüse oder Epiphyse, anatomisch auch Glandula pinealis, ist ein kleines Organ im Epithalamus (einem Teil des Zwischenhirns). In der Zirbeldrüse wird von den Pinealozyten das Hormon Melatonin produziert. Die Hormonproduktion findet überwiegend nachts statt.[10]

Abnahme der Melatoninproduktion ist auf eine Zunahme der Pinealis-Verkalkung zurückzuführen
Der Grad der Pinealisverkalkung (degree of pineal calcification - DOC) wird semiquantitativ im cranialen Computer-Tomogramm (cCT) bestimmt. Dazu wird die maximale Verkalkungsdichte im digital gespeicherten cCT exakt gemessen und das Verhältnis der Verkalkungsausdehnung zur Pinealisfläche semiquantitativ abgeschätzt. Beide Werte werden skaliert, der Summenscore ergibt den DOC-Wert. Hierbei repräsentieren niedrige DOC_Werte keine Verkalkung und höchste DOC-Werte eine vollständig verkalkte Pinealis hoher Dichte.[8]

In der Validierungsstudie [8] konnte Dr. Dieter Kunz verschiedene frühere Ergebnisse replizieren:

  1. Die Größe der Pinealisverkalkung ist nicht invers assoziiert zur Melatoninexkretion
  2. die Größe der Pinealis verändert sich nicht mit dem Alter
  3. die Größe der Pinealis und die Melatoninexkretion variieren interindividuell um einen Faktor 20
  4. die Melatoninexkretion (Abgabe, Ausscheidung) nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Erstmalig konnte Dr. Dieter Kunz in dieser Arbeit nachweisen, dass das unverkalkte Pinealisvolumen positiv assoziiert ist zu der Gesamtmenge der 24-Stunden Melatoninexkretion. Darüber hinaus konnten Kunz und sein Team erstmalig zeigen, daß die Abnahme der Melatoninproduktion auf eine Zunahme der Pinealis-Verkalkung zurückzuführen ist. Somit ist DOC bei einzeitiger Messung geeignet, die intraindividuelle Kapazität, Melatonin zu sezernieren, anzuzeigen. DOC könnte somit ein intraindividueller Marker für ein Melatonindefizit sein.[8]

Wirkungen von Melatonin

Erst 1990 wurde entdeckt: Melatonin gut für Schlaf und Gedächtnis

Franz Waldhauser entdeckte erst 1990, dass die Gabe von Melatonin die frühen Schlafphasen verkürzt und den REM-Schlaf verlängert. Ein zu niedriger Melatoninspiegel kann mit Schlafstörungen einhergehen. Mit zunehmendem Alter produziert der Körper weniger Melatonin, die durchschnittliche Schlafdauer nimmt ab und Schlafprobleme treten gehäuft auf. Auch bei Schichtarbeit und bei Fernreisen (Jetlag) kann der Melatoninhaushalt durch die Zeitumstellung gestört werden. Erholsamer Schlaf ist wichtig für ein funktionierendes Gedächtnis. Einer der Gründe dafür könnte der Einfluss von Melatonin auf den Hippocampus sein. Diese Region im Gehirn ist wichtig für das Lernen und Erinnern. Durch die Wirkung von Melatonin ist die neurophysiologische Grundlage von Lernen und Gedächtnis, die synaptische Plastizität, einem deutlichen Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen.

Alzheimer: Melatonin hat positive Effekte auf die kognitive Funktion

Morbus Alzheimer ist die wesentlichste Ursache für Demenz im Alter. Verlust an kognitiver Leistungsfähigkeit sowie psychiatrische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten kennzeichnen die Alzheimer-Demenz (AD). Darüber hinaus ist die AD häufig mit Schlafstörungen, insbesondere nächtlichem Erwachen, assoziiert. Schlaf spielt einerseits eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung des Gedächtnisses; andererseits hat die neuere Forschung gezeigt, dass zwischen schlechtem Schlaf, AD und Gedächtnisstörungen ein Zusammenhang besteht.[11] [12]

Das Hormon Melatonin wird nachts in der Zirbeldrüse gebildet und in die Zerebrospinalflüssigkeit (ZSF und den Kreislauf ausgeschüttet. Es ist ein wichtiger Regulator der biologischen Uhr und steuert insbesondere den Schlaf-Wach-Rhythmus sowie die Induktion des physiologischen Schlafs. Frühe neuropathologische Veränderungen bei AD sind mit einer Verringerung der Melatonin-Spiegel in der ZSF assoziiert [13]. Diese erniedrigten Melatonin-Spiegel können bereits in präklinischen AD-Stadien nachgewiesen werden und sie korrelieren bei Demenzpatienten signifikant mit der Schwere der mentalen und Schlafstörungen [14]. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass sich Melatonin bei AD-Patienten günstig auf deren kognitive Funktion und Schlaf auswirkt. Diese Studien waren allerdings in Studiendesign, Melatonin-Dosierung und Therapiedauer sehr unterschiedlich, sodass zahlreiche Fragen offen blieben. In der vorliegenden Arbeit [12] sollte nun geklärt werden, inwieweit Melatonin einen über den der Standardtherapie für AD hinausgehenden Effekt hat, ob dieser über längere Zeit erhalten bleibt und in welchem Ausmaß er auf die Verbesserung des Schlafs zurückgeführt werden kann. Studienmedikation war retardiertes Melatonin (Circadin ® ), das seit 2007 zur Behandlung von primärer Insomnie bei Patienten ab 55 Jahren zugelassen ist. Die Zulassung stützte sich auf die positive Auswirkung von Circadin ® auf Schlafqualität, Schlafherbeiführung und Funktionsfähigkeit tagsüber ohne Beeinträchtigung der kognitiven Leistung [15] [16] [17].[12]

Methode der Studie über die Wirkung von Melatonin bei Morbus Alzheimer
In diese Studie wurden insgesamt 80 Patienten mit milder bis moderater AD mit bzw. ohne komorbider Schlaflosigkeit und einem Durchschnittsalter von 75 Jahren eingeschlossen. Im Rahmen dieser doppelblinden, Parallelgruppen-Studie erhielten die Patienten während der ersten zwei Wochen ein Placebo zusätzlich zu ihrer Standardtherapie mit einem Achetylcholin-esterase- (AchE-)Hemmer mit oder ohne Memantin. Anschließend wurden die Studienteilnehmer im Verhältnis 12:1 randomisiert und erhielten für 24 Wochen entweder weiterhin Placebo oder 2 mg retardiertes Melatonin pro Nacht. Ermittelte Wirksamkeitsparameter waren di ADAS-cog-(AD Assesment Scale-Cognition), die IADL- (Instrumental Activities of Daily Living), der MMSE- (Mini Mental State Examination) Score sowie bezüglich der Schlafqualität der PSQI (Pittsburgh Sleep Quality Index) und ein Schlaftagebuch.[12]

Ergebnisse: 6 Monate lang 2 mg Melatonin/Tag verbessert kognitive Funktionen signifikant
Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Patienten, die sechs Monate lang mit retardiertem Melatonin behandelt worden waren, im Vergleich zur Placebogruppe über signifikant bessere kognitive Funktionen verfügten (IADL p = 0,004; MMSE p = 0,044). In Bezug auf die ADAS-cog konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen beobachtet werden. Hinsichtlich der Schlafeffizienz, gemessen am PSQI Komponente 4, zeigte sich unter retardiertem Melatonin im Vergleich zu Placebo eine signifikante Verbesserung (p = 0,017). In der Subgruppe der Patienten mit komorbider Insomnie (PSQI >= 6) führte die Behandlung mit retardiertem Melatonin im Gegensatz zur Vergleichsgruppe zu signifikanten und klinisch bedeutsamen Verbesserungen im IADL (p = 0,032), dem MMSE-Score (+1,5 versus -3 Punkte; p = 0,0177) und der Schlafeffizienz (p = 0,04). Auch die mittleren ADAS-cog-Werte in dieser Subgruppe waren im Melatonin-Arm signifikant besser als in der Placebogruppe (-3,5 versus +3 Punkte; p = 0,045). Die Signifikanz der Unterschiede zwischen den Studienarmen stieg mit der Dauer der Behandlung an.[12]

Konklusion: Melatonin hat bei Alzheimer-Patienten positive Effekte auf die kognitive Funktion und die Schlafqualität
Die Autoren der Studie schließen aus diesen Daten, dass retardiertes Melatonin (Circadin ® ) bei Patienten mit AD, insbesondere bei jenen mit komorbider Insomnie, zusätzlich zur Standardtherapie positive Effekte auf die kognitive Funktion und die Schlafqualität hat. Die Resultate deuten darauf hin, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Verlust an kognitiver Leistungsfähigkeit bestehen könnte.[12]

Die richtige Dosis bzw. Einnahmeempfehlung für Melatonin

Die richtige Melatonin-Dosis hängt selbstverständlich von der Indikation ab, bzw. dem Anliegen weswegen eine Melatonin-Einnahme angestrebt wird. Die folgende Tabelle soll einen Überblick darüber verschaffen, in welcher Dosis bei welcher Indikation man entsprechende Wirkung zu erwarten hat. Diese basiert auf den Empfehlungen der beiden Melatonin-Forscher Prof. Regelson und Dr. Pierpaoli[1]. Hierfür gehen die beiden Forscher von einem errechneten und gemittelten Melatoninbedarf aus.

Indikation Dosis ergänzender Hinweis [18]
Anti-Aging (Alterung bremsen) 40-44 Jahre: 1 mg
45-54 Jahre: 1-2mg
55-64 Jahre: 2-3mg
65-74 Jahre: 3-6mg
Ab 74 Jahre: 4-6mg
Hier geht es darum, den altersbedingten Melatonin-Schwund auszugleichen.
Indem man dem Organismus von außen Melatonin zuführt, unterstützt man die Regeneration der Zirbeldrüse und kann damit gewissermaßen zurückstellen.
Einschlafprobleme 1-6 mg Mit 1mg anfangen, stellt sich der Schlaf nach 30min nicht ein, weitere 1mg, wenn sich nach 30min immer noch kein Schlaf einstellt, eine dritte 1mg Tablette.
So weiter fortfahren, bis man 5-6mg / Tag erreicht hat.
Gestörter Schlaf 1-6 mg Mit 1mg beginnen, sollte es nicht helfen, am nächsten Tag 2mg, ist der Schlaf am dritten Tag immer noch gestört, 3mg nehmen usw. bis man eine Dosis von 5-6mg erreicht hat.
Verhütung von Erkrankungen Siehe Anti-Aging Jeder 2te Deutsche stirbt an einer Herzkreislauferkrankung, jeder 4te an Krebs. Gerade bei Risikogruppen kann es angezeigt sein, Melatonin vorbeugend einzunehmen
(selbst wenn man jünger als 40 Jahre alt ist.)

Blutdruck-Senkung, Herz-Schutz & Migräne- und Krebsrisiko-Reduktion

Laut Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber [19] senkt Melatonin die Streßhormone, reduziert den Blutdruck und schützt damit das Herz. Herzkreislaufkranke Menschen weisen vor allem in der Nacht einen niedrigen Melatoninspiegel auf und entwickeln dementsprechend präferentiell nächtens einen hohen Blutdruck bzw. andere Herzkreislaufkomplikationen. Indirekt kann damit die Weiterentwicklung einer Niereninsuffizienz (mit Gefahr der späteren Notwendigkeit von Dialysebehandlungen oder Nierentransplantationen) gebremst werden, welche vor allem eine Folge zu hohen Blutdrucks ist. Durch zahlreiche unabhängige Untersuchungen ist verifiziert: ein niedriger nächtlicher Melatoninspiegel ist ein zusätzlicher Risikofaktor für die Ausbildung von Krebs und besonders von hormonabhängigen Tumoren wie Prostatakrebs und Mammakarzinom (Brustkrebs).

Viel spricht dafür, daß der Alterungsprozeß tatsächlich ein physikalischer Prozeß ist - wie ja unser gesamter Organismus der Physik und auch der Elektronik unterworfen ist. Elektronenübertragungen spielen bei physikalischen Prozessen eine wichtige Rolle und sind in unserem Körper die Voraussetzung für das Leben, allerdings lösen sie auch das Altern aus. Das Hormon der »Nacht«, das Melatonin wirkt den aktiven Vorgängen des Tages entgegen, es verlangsamt den Elektronenfluß und verringert zwar unsere Leistungskapazität, die ja in der Nacht nicht gefragt ist, dafür verringern sich aber die Radikale, ja darüber hinaus, das Melatonin fängt diese noch ein.

Zu den Aktivitäten-stimulierenden Systemen unseres Körpers gehören auch die Prostaglandine, fettsäurenartige Verbindungen, die überall dort auftreten, wo sich der Körper gegen Verletzungen wehrt. Wo Prostaglandine im Spiel sind, ist auch viel Aufwand, ist große Energie gefragt. Verletzungen und Traumatisierungen gibt es heute Gott sei Dank weniger als vor 5000 Jahren, trotzdem arbeiten die Prostaglandine mit der gleichen Aktivität. Das Melatonin scheint auch auf diese Prostaglandin-Synthese modifizierend einzugreifen: nicht daß es dieses Verteidungssystem still legen würde, es reduziert nur dessen Aktivitätskreis, wenn keine Gefahr im Verzug und die volle Prostaglandin-Synthese nicht notwendig ist. Möglicherweise sind die Prostaglandine auch an der Entstehung der Migräne beteiligt; nach ersten Berichten scheint auch die Melatoninproduktion bei Menschen die an Migräne leiden, gestört zu sein. Damit würde sich - neben möglichen anderen Interaktionen zwischen Migräne und Melatonin, der Kreis zu den Prostaglandinen schließen.[19]

Melatonin verlängert Schlafdauer bei Schichtarbeitern um 24 Minuten

Schichtarbeiter sind gezwungen, beim Schlaf-Wach-Rhythmus ihre innere Uhr zu ignorieren. Als Folge leiden viele unter Schlafstörungen und unerwünschtem Wachsein, was auch als Schichtarbeiter-Syndrom bezeichnet wird. In der Nacht, während der Arbeitszeit, kämpfen sie gegen die Müdigkeit und am Tag finden Sie keinen erholsamen Schlaf. Außerdem kommt es häufig zu Magen-Darm-Beschwerden, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ist bei ihnen höher, ebenso das Unfallrisiko während der Arbeitszeit. Jüngste Studien (2014) bringen Schichtarbeit auch mit einer höheren Diabetesinzidenz in Verbindung. Schließlich wird eine Steigerung des Krebsrisikos – zumindest für einige Malignome – vermutet.[20]

Zur Behandlung des Schichtarbeiter-Syndroms stehen nicht-medikamentöse wie medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung. Ein 2014 veröffentlichter Cochrane Review um Erstautor Dr. Juha Liira vom Finnischen Institut für Arbeitsmedizin in Helsinki bescheinigt nun gängigen Medikamenten gegen die Schlaf- und Wachstörungen von Schichtarbeitern nur geringe Wirksamkeit [21]. Sedativa, Hypnotika, das auch häufig gegen Jetlag verwendete Melatonin und Stimulantien könnten z.B. die Müdigkeit nur wenig beeinflussen. Angesichts von Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, die mit der Einnahme verbunden sind, seien sie daher eher kontraproduktiv, so das Fazit der Autoren.[20]

Für das Schlafhormon Melatonin (1 bis 10 mg) lässt sich belegen, dass die Schlafdauer am Tag um durchschnittlich 24 Minuten (95%-Konfidenzintervall: 9,8 bis 38,9) und in der Folgenacht nach einer Nachtschicht um durchschnittlich 17 Minuten (95%-Konfidenzintervall: 3,71 bis 30,22) im Vergleich zum Placebo verlängert werden kann. Die Schlafqualität besserte sich unter Melatonin jedoch nicht. Laut einer der Studien konnte die Aufmerksamkeit während der Nachtschicht mit Melatonin verbessert werden. Jedoch nahmen nur 12 Schichtarbeiter an der Studie teil.[20]

Melatonin statt Säureblockern als Ausweg aus dem PPI-Teufelskreis gegen Reflux

PPI steht für Protonenpumpeninhibitor, zu Deutsch: Protonenpumpenhemmer. Es handelt sich um Säureblocker, die im Magen die Produktion der Magensäure hemmen. Säureblocker werden bei Sodbrennen und Reflux verordnet oder auch als Magenschutz, wenn magenreizende Medikamente genommen werden müssen. Schnell gewöhnt man sich an PPI, denn sie machen in gewisser Weise abhängig – von ihren teilweise bedenklichen Nebenwirkungen ganz zu schweigen.[22]

Wer an Sodbrennen (Reflux-Ösophagitis), einer Gastritis infolge einer Helicobacter-pylori-Infektion oder gar an einem Magen- oder Zwölffingerdarm-Geschwür leidet, dem verschreibt der Arzt möglicherweise Säureblocker. 7 bis 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leidet an Sodbrennen, so dass PPI zu den am meisten verordneten Medikamenten weltweit gehören. Protonenpumpenhemmer sind daher eine wirklich lohnende Einnahmequelle für die Pharmabranche. Jährlich werden allein mit diesem Arzneimittel milliardenschwere Gewinne eingefahren.[22]

Woher kommt die Bezeichnung Protonenpumpenhemmer, wie wirken Säureblocker?
Protonenpumpenhemmer hemmen die Protonenpumpe. Dabei handelt es sich um ein Enzym in den Belegzellen der Magenschleimhaut. In den Belegzellen findet die Produktion der Magensäure statt, und die Protonenpumpe transportiert die Säure aus den Belegzellen hinaus in den Magen. Wird die Protonenpumpe gehemmt, dann kann sie natürlich keine Säure mehr (oder nur noch wenig) in den Magen transportieren. Protonenpumpenhemmer wirken also anders als Antazida (z. B. Rennie oder TALCID). Die Letztgenannten neutralisieren die Magensäure direkt im Magen und zwar sofort nach dem Schlucken. Protonenpumpenhemmer hingegen werden erst im Darm resorbiert und gelangen dann mit dem Blutstrom in die Magenschleimhaut und dort in die Belegzellen. Hier können die Säureblocker dann aktiv werden und die Säure blocken. Die Wirkstoffe der Säureblocker heissen Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Rabeprazol und Lansoprazol. Falls Sie also ein Mittel für den Magen einnehmen und nicht genau wissen, ob es ein PPI ist, so können Sie auf dem Beipackzettel nachsehen, ob einer dieser Begriffe mit der Endung –prazol auftaucht. Der Produktname des Arzneimittels kann jedoch ganz anders lauten, z. B. Nexium, Antra MUPS, Rifun, Lanzor etc. Und wenn Sie den Beipackzettel schon in der Hand haben, dann lesen Sie auch rasch einmal die Nebenwirkungen der Säureblocker.[22]

Säureblocker–Nebenwirkungen

  1. Magen-Darm-Beschwerden
  2. Nahrungsmittelallergien
  3. Vitamin-B12-Mangel
  4. Mangel an Calcium, Magnesium, Eisen und Zink
  5. Erhöhtes Knochenbruchrisiko, daher sollte man auch den Vitamin-D-Spiegel im Auge behalten
  6. Verschlechterung der Leberwerte
  7. Kranke Nieren
  8. Infektionsgefahr steigt
  9. PPI begünstigen Beschwerden durch Helicobacter pylori[22]

Säureblocker lösen das Problem aus, gegen das sie verschrieben werden & Säureblocker machen abhängig
Schon im Jahr 1996 berichteten Forscher rund um Dr. Waldum von der norwegischen University of Science and Technology, dass PPI jene Beschwerden verschlimmern bzw. überhaupt erst verursachen, gegen die sie eigentlich verordnet werden: Die übermässige Bildung von Magensäure. Völlig gesunde Patienten, die für eine Studie drei Monate lang täglich 40 mg Omeprazol genommen hatten und das Mittel dann absetzten, litten noch nach 14 Tagen unter einer um 50 Prozent gesteigerten Magensäureproduktion – und das, obwohl sie zuvor nie ein Magenproblem gehabt hatten. 13 Jahre später veröffentlichten dänische Forscher der Kopenhagener Universität (Reimer et al.) eine weitere Studie zu diesem Thema, derzufolge dieser Effekt schon nach einer nur achtwöchigen PPI-Einnahme auftrat. 44 Prozent der 120 zuvor völlig symptomfreien Teilnehmer, die noch nie Sodbrennen gehabt hatten, litten nach dem Absetzen der Säureblocker plötzlich an Sodbrennen, Reflux oder Verdauungsstörungen.[22]

Melatonin statt Säureblocker?
Im Jahr 2010 erklärten brasilianische Forscher im Fachmagazin World Journal of Gastrointestinal Pharmacology and Therapeutics[23], wie Melatoninmangel zu Sodbrennen führen kann und wie daher eine Einnahme von Melatonin das Sodbrennen wieder beheben kann:[22]

Die enterochromaffinen Zellen des Magen-Darm-Trakts produzieren 400 Mal mehr Melatonin als die Zirbeldrüse. Schon allein diese Tatsache zeigt die aussergewöhnliche Wichtigkeit des Melatonins für die Magen-Darm-Funktionen. Melatonin hat nämlich eine hemmende Wirkung auf die Magensäureproduktion, kontrolliert überdies die Funktion des Schliessmuskels zwischen Magen und Speiseröhre und scheint die Speiseröhre vor säurebedingten Schäden zu schützen. Insbesondere wenn gleichzeitig zum Sodbrennen Schlafstörungen vorliegen, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass ein Melatoninmangel die Ursache ist – und zwar von beiden Problemen.[22]

Wird der Melatoninspiegel mit Hilfe von Melatoninpräparaten wieder auf ein gesundes Niveau gehoben, wird sowohl die übermässige Säureproduktion als auch der Schlaf reguliert. Das Thema wurde bereits 2008 vom Fachmagazin Alternative Therapies in Health and Medicine aufgegriffen.[24] Melatonin zeigte sich in der dort beschriebenen Fallstudie in Kombination mit anderen natürlichen Mitteln als wirksamer in der Behandlung von Sodbrennen als Omeprazol. Der Fallbericht handelte von einer 64jährigen Frau, die aufgrund einer Osteoporose keine Säureblocker mehr nehmen wollte. Der Ausstieg aus dem PPI-Teufelskreis gelang der Frau erst, als sie Melatonin in ihr Programm mit aufnahm. Sie nahm täglich 6 mg Melatonin zusammen mit weiteren Nahrungsergänzungsmitteln (die Sie der Studie entnehmen können), wie z. B. 5-Hydroxytryptophan, Methionin, Betain, B-Vitamine und andere mehr. Nach 40 Tagen konnte die Patientin die Säureblocker vollständig absetzen – ohne dass ein Rebound-Effekt oder sonstige Symptome aufgetreten wären. Es gibt Mittel und Wege, Magenbeschwerden wie das Sodbrennen in den Griff zu bekommen und sich gleichzeitig von der Abhängigkeit von lästigen Magenmedikamenten wie PPI zu befreien.[22]

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist in der westlichen Welt weitverbreitet und kann zu Komplikationen wie Ösophagusstriktur oder Adenokarzinom führen. Die Therapie basiert heute in erster Linie auf Protonenpumpeninhibitoren (PPI), die jedoch zu unerwünschten Wirkungen führen können. Darüber hinaus sprechen nicht alle Patienten auf PPI an. Melatonin ist daher bei GERD eine interessante Behandlungsalternative, da es auf mehrere zugrunde liegende Mechanismen abzielt.[25]

Das Hormon Melatonin wird nicht nur in der Zirbeldrüse, sondern in weit grösseren Mengen auch von enterochromaffinen Zellen im Intestinaltrakt von Säugern gebildet. Melatonin scheint für die Darmmotilität und für die Kommunikation zwischen Darm und Leber von Bedeutung zu sein. Auch in der Ösophagusschleimhaut liegen zahlreiche Melatoninbindungsstellen und erhebliche Mengen an Melatonin vor. Tierexperimente zeigen, dass Melatonin die Mikrozirkulation verbessert und die Bildung von Stickoxid und Prostaglandin E2 anregt – beides Substanzen, die die Ösophagusschleimhaut vor stressinduzierten und durch freie Radikale bedingten Schäden schützen. In experimentellen Modellen einer Refluxösophagitis führte Melatonin unter anderem zu einer Abheilung entzündlicher Läsionen und zu einer Reduktion inflammatorischer Zytokine. Es liegen bisher nur wenige Studien vor, in denen GERD- Patienten mit Melatonin behandelt wurden, aber die Ergebnisse sind interessant. In einer Untersuchung erhielten 175 GERD-Patienten 20 mg Omeprazol täglich, 176 Patienten wurden mit einer Kombination aus Melatonin plus L-Tryptophan, Vitamin B 6 und B 12 , Methionin, Betain und Folsäure behandelt. Nach 40 Behandlungstagen gaben alle Patienten aus der Melatoningruppe eine Symptomlinderung an, in der Omeprazolgruppe waren es nur 66 Prozent.[25] [26]

Schlafprobleme und Gedächtnis

Ein zu niedriger Melatoninspiegel kann mit Schlafstörungen einhergehen. Mit zunehmendem Alter produziert der Körper weniger Melatonin, die durchschnittliche Schlafdauer nimmt ab und Schlafprobleme treten gehäuft auf. Auch bei Schichtarbeit und bei Fernreisen (Jetlag) kann der Melatoninhaushalt durch die Zeitumstellung gestört werden. Erholsamer Schlaf ist wichtig für ein funktionierendes Gedächtnis. Einer der Gründe dafür könnte der Einfluss von Melatonin auf den Hippocampus sein. Diese Region im Gehirn ist wichtig für das Lernen und Erinnern. Durch die Wirkung von Melatonin ist die neurophysiologische Grundlage von Lernen und Gedächtnis, die synaptische Plastizität, einem deutlichen Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen.[27]

Antioxidative Wirkung von Melatonin

Neben seiner Funktion zur Synchronisierung der biologischen Uhr, ist Melatonin ein leistungsfähiger Radikalfänger und ein Antioxidationsmittel mit breitem Wirkungsspektrum.[28] Bei vielen niedrig entwickelten Lebewesen ist dies die einzige bekannte Funktion von Melatonin.[29] Melatonin ist ein Antioxidans, welches leicht Zellmembranen und die Blut-Hirn-Schranke durchdringen kann.[30] [31][32]

Als Antioxidans ist Melatonin ein direkter Radikalfänger für Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen wie OH, O2 und NO.[33] [34][32]

Melatonin bewirkt zusammen mit anderen Antioxidantien auch eine Verbesserung der Wirksamkeit dieser anderen Antioxidantien. [34] Es ist belegt, dass die antioxidative Wirkung von Melatonin doppelt so hoch wie jene von Vitamin E ist, und es wird davon ausgegangen, dass Melatonin das wirksamste lipophile Antioxidans ist.[35] Ein wichtiges Merkmal von Melatonin, das es von anderen klassischen Radikalfängern unterscheidet, ist, dass seine Metaboliten ebenfalls Radikalfänger sind, was als Kaskadenreaktion bezeichnet wird.[29] Melatonin unterscheidet sich von anderen klassischen Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E auch dadurch, dass Melatonin amphiphile Eigenschaften hat. Im Vergleich zu synthetischen Antioxidantien mit Wirkung auf das Mitochondrium (MitoQ und MitoE) erwies sich Melatonin als vergleichbarer Schutz gegen mitochondrialen oxidativen Stress[36].[32]

Studien zur Wirkung von Melatonin bei Krebs

Der systematische Review mit einer Meta-Analyse von randomisiert kontrollierten Studien "Melatonin zur Krebs-Behandlung", welcher im November 2005 im Journal of Pineal Research veröffentlicht wurde, hatte reduzierte Sterberaten bei Krebs-Behandlung mit Melatonin als Ergebnis. Melatonin reduzierte das Todesrisiko innerhalb eines Jahres auf 66% im Vergleich zur Behandlung ohne Melatonin. Die Wirkung von Melatonin war dabei bei verschiedenen Melatonin-Dosierungen und auch bei verschiedenen Krebsarten gleich. Es wurden dabei auch keine schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen festgestellt. Die deutliche Verringerung des Sterberisikos, die geringe Rate unerwünschter Nebenwirkungen und die geringen Kosten einer Krebsbehandlung mit Melatonin lassen ein großes Potenzial für den Einsatz von Melatonin bei der Krebs-Behandlung erwarten. Zur Absicherung der Wirksamkeit und Sicherheit von Melatonin bei der Krebsbehandlung ist jedoch die Bestätigung durch weitere unabhängige randomisiert kontrollierte Studien (RCT)erforderlich.[37] [32]

Klinische Studien (Review vom National Cancer Institute vom Mai 2013) bei Nieren-, Brust-, Dickdarm-, Lungen- und Gehirnkrebs deuten darauf hin, dass Melatonin eine Anti-Krebs-Wirkung in Verbindung mit einer Chemotherapie und Strahlentherapie hat; die Studienergebnisse sind jedoch nicht ganz eindeutig.[38] [32]

Präparate

Melatonin (Circadin 2mg) als Schlafmittel für Ältere zugelassen

Melatonin Arznei-Telegramm[39]
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Melatonin (CIRCADIN) ist ein Arzneimittel
zur Behandlung von über 55-Jährigen mit primären Schlafstörungen (Insomnie)


Melatonin ist ein kurz wirkendes Hormon der Zirbeldrüse, das bei Dunkelheit vermehrt sezeniert wird und somnogene Effekte hat. Neben anderen Faktoren reguliert es den zirkadianen Schlaf/Wach-Rhythmus. Es ist bei Einschlafstörungen als Folge von Jetlag wirksam, besonders bei Erwachsenen, die über fünf oder mehr Zeitzonen in östlicher Richtung fliegen [40]. Melatonin wird aber auch schon seit Jahren insbesondere in den USA als Schlafmittel verwendet, wo es als „Nutritional supplement” rezeptfrei in „Drug stores” erhältlich ist.[41]

Eine Metaanalyse von 15 sehr heterogenen Studien aus dem Jahr 2006 [42] über die Wirksamkeit von exogenem Melatonin bei sekundären Schlafstörungen und Schlafstörungen nach Schlafentzug kam allerdings zu dem Schluss, dass Melatonin keinen signifikanten Effekt auf die Zeit bis zum Einschlafen und nur einen sehr marginalen Effekt auf die Durchschlafzeit bei Patienten mit sekundären Einschlafstörungen hat. In unserer Besprechung von 2006 haben wir Melatonin daher nur bei Einschlafstörungen im Jetlag als wahrscheinlich wirksam beurteilt [43].[41]

Ausgehend von dem Befund, dass die endogenen Melatoninkonzentrationen im Serum mit zunehmendem Alter sinken, könnte es besonders bei älteren Patienten als „mildes” Schlafmittel geeignet sein. Allerdings ist die Melatoninkonzentration individuell sehr verschieden, und es ist nicht belegt, dass niedrige Melatoninspiegel generell mit Schlafstörungen einhergehen und eine pharmakologische Dosis von > 0,3 mg/d Schlafstörungen im Alter beheben könnte [44].[41]

Trotzdem hat die EMEA nun ein retardiertes Melatonin-Präparat (Circadin® 2 mg) für die kurzzeitige Monotherapie „primärer Insomnien” bei Patienten ab 55 Jahren zugelassen. Unter primärer Insomnie sind Schlafstörungen ohne erkennbare körperliche oder psychische Ursachen zu verstehen. In einer somnographischen Studie konnte mit diesem Retard-Präparat die Zeit bis zum Einschlafen gegenüber Plazebo um neun Minuten verkürzt werden. Circadin® änderte nicht die Schlafarchitektur und hatte auch keinen Einfluss auf die Dauer des REM-Schlafs. Es wurden auch keine Veränderungen der Leistungsfähigkeit während des Tages beobachtet[45] [41].

Zwei ambulant durchgeführte, randomisierte, plazebokontrollierte Studien, die beide vom Hersteller Neurim Pharmaceuticals bezahlt wurden, liegen der europäischen Zulassung zu Grunde. In beiden Studien wurde 2 mg Melatonin drei Wochen lang mit Plazebo verglichen und die Schlafqualität sowie der morgendliche Wachheitsgrad mit dem „Leeds Sleep Evaluation Scale” evaluiert, einer Analogskala mit visueller Auswertung. In der ersten Studie [46] wurde bei 170 Patienten (mittleres Alter 68,5 Jahre) auch die Veränderung der Schlafqualität sowie der „Rebound-Effekt” und mögliche Entzugserscheinungen nach dem Absetzen von Melatonin untersucht. Melatonin verbesserte die Schlafqualität knapp signifikant. Der kombinierte Endpunkt Schlafqualität und morgendlicher Wachheitsgrad verbesserte sich signifikant bei 47% der Patienten in der Circadin®- versus 27% in der Plazebo-Gruppe. Es wurden in dieser kurzen Beobachtungszeit wenige ungewünschte Arzneimittel-Wirkungen (UAW) beobachtet (s.u.) und auch keine Entzugserscheinungen nach dem Absetzen.[41]

In der zweiten Studie [47] wurden 354 Patienten (mittleres Alter 65,7 Jahre) ebenfalls bezüglich ihrer Schlafqualität, des morgendlichen Wachheitsgrades und zusätzlich auch der „Lebensqualität” evaluiert. Die Zeit bis zum Einschlafen verkürzte sich unter dem retardierten Melatonin in dieser Studie im Mittel um 24,3 Minuten (12,9 Minuten unter Plazebo) ohne Veränderungen der Gesamtschlafzeit. Die Schlafqualität, der morgendliche Wachheitsgrad und die „Lebensqualität” verbesserten sich unter Melatonin signifikant.[41]

Mit ungewünschten Arzneimittel-Wirkungen (UAW) ist bei gut einem Drittel der Patienten zu rechnen (37,0% unter Melatonin vs. 31,8% unter Plazebo). Die häufigsten sind Nasopharyngitis, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Asthenie, die sowohl in der Circadin®- als auch in der Plazebo-Gruppe unter die Kategorie „häufig” fielen [45]. Da Melatonin über Zytochrom P450 1A-Enzyme metabolisiert wird, können Hemmstoffe wie z.B. das Antidepressivum Fluvoxamin die Spitzenkonzentrationen von Melatonin im Serum bis um das 12fache erhöhen und die UAW-Rate steigern. Zigarettenrauchen kann die Melatoninspiegel aufgrund der Induktion von CYP1A2 senken und zum Wirkverlust von Melatonin führen[45].[41]

Fazit: Retardiertes Melatonin ist als Monotherapie für die kurzzeitige Behandlung der primären Insomnie bei Patienten ab 55 Jahren zugelassen. Nach zwei von den Herstellern durchgeführten Studien scheint es die Schlafqualität zu verbessern und die Zeit bis zum Einschlafen zu verkürzen. Da es kurzzeitig gut verträglich scheint und möglicherweise ein geringeres Risiko hat als andere Schlafmittel, beispielsweise ein Benzodiazepin [48], ist es bei älteren Patienten - wenn die Indikation stimmt - einen kurzzeitigen Therapieversuch wert, auch wenn es bisher nicht mit anderen Schlafmitteln verglichen worden ist. 20 Tabletten kosten 25,38 EUR.[41]

USA und Kanada

Melatonin-Präparate sind in Kanada und den USA frei verkäuflich als Nahrungsergänzungsmittel. In den USA werden unterschiedliche Heilwirkungen beworben:

  • Erhöhte Ausschüttung körpereigener Wachstumshormone[52]

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Melatonin 10mg, 60 Tabletten, 8.39 €,
bei Swanson Europe[53]
10mg ist eher eine zu hohe Dosierung


Länder der Europäischen Union

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Melatonin 5mg, 180 Tabletten,
39.50 €, bei BIOVEA[54]


Seit 2007 ist Melatonin durch die Europäische Kommission in der EU als Arzneimittel (Circadin) zur kurzfristigen Behandlung der primären Insomnie (schlechte Schlafqualität) bei Patienten ab 55 Jahren zugelassen. Circadin enthält zwei Milligramm Melatonin in retardierter Form. Die empfohlene Dosierung beträgt zwei Milligramm ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen und nach der letzten Mahlzeit und soll über drei Wochen aufrechterhalten werden. In Deutschland ist Melatonin in der Verwendung als Arzneistoff gemäß der Arzneimittelverschreibungsverordnung ein verschreibungspflichtiger Stoff, melatoninhaltige Arzneimittel sind unabhängig von der Dosis verschreibungspflichtig.[55] In vielen Fällen sind Melatonin-Retardpräparate erstattungsfähig, sodass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.[56] Eine Vermarktung als Nahrungsergänzungsmittel ist nicht erlaubt.

Für die Verwendung in diätetischen Lebensmitteln ist Melatonin gemäß dem Eintrag in die von der Europäischen Kommission erarbeitete Gemeinschaftsliste nach Artikel 13 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (Health Claims) mit den gesundheitsbezogenen Angaben „Melatonin trägt zur Linderung des subjektiven Jetlag-Gefühls bei.“ und „Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen.“ statthaft. Die zulässige Einzeldosis sowie der Wortlaut für die Anwenderinformation sind ebenfalls vorgegeben.[57] Vorangegangen waren entsprechende wissenschaftliche Bewertungen durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die in den Jahren 2010 und 2011 veröffentlicht wurden.[58][59] Die Aufnahme in die Gemeinschaftsliste erlaubt bestimmte gesundheitsbezogene Angaben für Melatonin, ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Zulassung von melatoninhaltigen Lebensmitteln. Die sogenannten „Health Claims“ sind ausschließlich für Lebensmittel und nicht für Arzneimittel vorgesehen. Solche Lebensmittel sind als „ergänzende bilanzierte Diäten“ in einigen Ländern der Europäischen Union (z. B. Österreich) inzwischen mit bis zu 5 mg Melatonin pro Kapsel von verschiedenen Herstellern erhältlich.

In Deutschland wurden beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) 2010 melatoninhaltige Erzeugnisse als „ergänzende bilanzierte Diäten“ angezeigt. Ergänzende bilanzierte Diäten gehören zu den diätetischen Lebensmitteln. Bei dem Anzeigeverfahren beim BVL handelt es sich nicht um eine Zulassung melatoninhaltiger Erzeugnisse als diätetische Lebensmittel. Die Anzeigen leitet das Bundesamt an die Behördliche Lebensmittelüberwachung der Bundesländer weiter. Diese ist dafür zuständig, nicht verkehrsfähige Erzeugnisse zu beanstanden und vom Markt zu nehmen. Auf dem Markt gibt es bereits zugelassene Arzneimittel ab einer Konzentration von zwei Milligramm Melatonin pro Tagesdosis. Ob Produkte ab einer Melatoninkonzentration von zwei Milligramm pro Tagesdosis deshalb auch als (z.B. diätetische) Lebensmittel in Verkehr gebracht werden können ist im Einzelfall zu prüfen und obliegt den zuständigen Behörden. Es gibt zahlreiche Substanzen, die sowohl in Arzneimitteln als auch in Lebensmitteln verwendet werden. Jedes Erzeugnis ist für sich zu prüfen und über die Einstufung zu entscheiden.[60]

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eurovital Melatonin 5mg - 180 Kaps ohne SiO2 von BIOVEA BIOVEA 5 39,50 0,00 37,52 180 14 2 20,8

Verwandte Substanzen

Eine dem Melatonin ähnliche chemische Struktur besitzt die Substanz Agomelatin. Im Unterschied zu Melatonin weist Agomelatin neben einer Affinität zu den Melatonin-Rezeptoren vom Typ MT1 und MT2 auch antagonistische Eigenschaften am Serotonin-Rezeptor 5-HT2c auf. Agomelatin wird als Arzneistoff in der Behandlung von Depressionen verwendet.

Nativer Inhaltsstoff in Lebensmitteln

Melatonin wird nicht nur vom Menschen, sondern von allen Säugetieren bei Dunkelheit in der Nacht produziert, dementsprechend auch von Kühen nach oben geschildertem Mechanismus. Bei der Milchbildung gelangt Melatonin vom Blut in die Milch. Je nach Tages- oder Nachtzeit und Futtergrundlage der Kühe enthält die Milch unterschiedlich viel Melatonin. Insbesondere die Zurückführung der Milchviehhaltung unter ein spezielles Lichtregime, das den natürlichen Lichtverhältnissen im Tag/Nachtverlauf entspricht, sowie eine gras- und kräuterbasierte Fütterung führen zu einem hohen nächtlichen Melatoninspiegel der Kuh. Wird diese Milch separat erfasst, enthält sie bis zu 0,04 Mikrogramm Melatonin pro Liter. Mittels Gefriertrocknung kann die Konzentration 100fach erhöht werden:[61] Der schlaffördernde Nutzen von aus solcher Milch gewonnenen sogenannten „Nachtmilchkristallen“ ist wissenschaftlich nicht erwiesen.[62][63][64]

Wissenschaftliche Bewertung

Es gibt verschiedene Studien, die die Wirksamkeit von Melatonin bei Jetlag-Symptomatik untersucht haben. Die Daten sind recht unterschiedlich. Eine große Metaanalyse, publiziert in einem Cochrane Review[65], deutet auf eine signifikante Wirksamkeit von Melatonin in einer Dosierung von 0,5 bis 5 mg bei Jetlag-Symptomen hin. In all diesen Dosierungen hat Melatonin eine ähnliche Wirksamkeit. Allerdings ist die Zeit bis zum Einschlafen unter 5 mg am kürzesten. Die Wirkung ist umso größer, je mehr Zeitzonen überquert werden und bei ostwärts gerichteten Flügen ausgeprägter als bei westwärts gerichteten. In diesen Studien wurden subjektive Parameter des Schlafes untersucht, aber auch andere Symptome wie Tagesmüdigkeit und Wohlbefinden. Eine andere Metaanalyse[66] konnte keinen signifikanten Vorteil von Melatonin bei Jetlag-Symptomatik feststellen. Hier zeigte sich keine signifikante Verkürzung der Einschlafzeit bei Schlafstörungen infolge Schichtarbeit. Auch die Gesamtschlafdauer konnte nicht deutlich verlängert werden. Allen Studien fehlt eine altersbezogene Fragestellung/Auswertung. Möglicherweise könnte die Wirksamkeit wie beim Schlafen beim Alter ab 55 Jahren besser ausfallen. Ferner zeigte die Untersuchung, dass Wechselwirkungen mit Antithrombosemitteln und Antiepileptika möglich sind. Eine kurzzeitige Melatonineinnahme (< 3 Monate) hat keine schädlichen Folgen. Kritisiert an dieser Metaanalyse wurde die Auswahl der Studien (nur Kurzzeitanwendung, Dosierung, gewählte Endpunkte).

Weitere Informationen

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

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  53. 60 x 10mg Melatonin 8.39€ +5.99€ Versand je Lieferung bei Swanson Europe, abgerufen am 18.3.2017
  54. Melatonin 5mg, 180 Tabletten, 39,50 €, bei BIOVEA, abgerufen am 8.1.2017,
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  55. AMVV § 1, Nr. 1
  56. Deutscher Verlag für Gesundheit und Ernährung
  57. EU Register on nutrition and health claims
  58. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to melatonin and alleviation of subjective feelings of jet lag (ID 1953), and reduction of sleep onset latency, and improvement of sleep quality (ID 1953) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/20061. EFSA Journal 2010; 8(2):1467.
  59. Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to melatonin and reduction of sleep onset latency (ID 1698, 1780, 4080) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 2011;9(6):2241.
  60. Florian Meyer: Melatonin und der Widerspruch zwischen der Health Claims Verordnung und dem Arzneimittelrecht, Kanzlei juravendis Rechtsanwälte, 8. Dezember 2014.
  61. Valtonen M., Niskanen L., Kangas A-P, Koskinen T. (2005): Effect of melatonin-rich night-time milk on sleep and activity in elderly institutionalized subjects. In: Nordic Journal of Psychiatry, 59. Jg., Heft 3, S. 217-221. PMID 16195124
  62. Nachtmilchkristalle gegen Schlaflosigkeit sind Unsinn Deutsches Ärzteblatt, 17. Juni 2010.
  63. Nachts gemolkene Milch soll den Schlaf fördern, Welt online, 17. Oktober 2010.
  64. Dustmann, H.; Weissßieker, H.; Wetendorf, R. (2008):Wirksamkeit eines Milchprodukts mit nativ erhöhtem Melatoningehalt, In: Der Lebensmittelbrief - ernährung aktuell, 19. Jg., Heft 11/12, S. 320-321.
  65. Herxheimer A, Petrie KJ (2001): Melatonin for the prevention and treatment of jet lag. In: Cochrane Database Syst. Rev. 1: CD001520
  66. Buscemi, N.et al. (2006): Efficacy and safety of exogenous melatonin for secondary sleep disorders and sleep disorders accompanying sleep restriction: meta-analysis. In: British Medical Journal Bd. 332, S. 385–393. PMID 16473858