Säure-Basen-Haushalt

Aus Vita Sana
Wechseln zu: Navigation, Suche

jU0tDBR.png
Ein Überschuss an Säuren bringt
das Körpermilieu aus der Balance


Was machen die Säuren in unserem Körper?

Unser Körper besitzt umfangreiche Puffersysteme und Ausscheidungswege um Stoffwechselsäuren zu neutralisieren oder zu entsorgen: Während die Lunge die flüchtigen Säuren über das Abatmen von CO2 entsorgt, baut die Leber Stoffwechselsäuren ab und die Nieren scheiden fixe Säuren aus. Eine dauerhafte Säureüberlastung lässt aber auch diese gut funktionierenden Puffersysteme an ihre Grenzen stoßen – es kommt zu einer latenten metabolischen Azidose. In der Schulmedizin findet diese Form ohne akute Symptome in der Regel keine Beachtung und bleibt daher oft über Jahrzehnte unentdeckt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird für die latente Azidose oft der Begriff „Übersäuerung“ verwendet. Dies führt häufig zu Verwirrungen, denn es liegen meist nur geringe pH-Wert-Veränderungen im Blut vor, die Pufferkapazitäten hingegen können reduziert sein. Eine Übersäuerung des Körpers ist also nicht am pH-Wert des Blutes festzustellen. Ein relativ konstanter Blut-pH ist lebenswichtig, deshalb existieren gleich mehrere Puffersysteme, um tageszeitlich schwankende Belastungen möglichst gut ausgleichen zu können. Um die Pufferkapazitäten im fließenden Blut zu schonen, lagert der Körper Säuren zunächst im Bindegewebe ab.[1]

Heine (2005) [2] beschreibt anschaulich, dass bei Überlastung der Puffersysteme im Blut nicht ausgeschiedene saure Stoffwechselendprodukte im Netz des Bindegewebes (extrazelluläre Matrix) gespeichert werden. Im Zustand der latenten Azidose können die sauren Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend aus dem Bindegewebe gelöst werden und beginnen dieses zu verschlacken. Die Wasserbindungskapazität wird zunehmend beeinträchtigt. Es kommt zu Funktionsstörungen und Elastizitätsverlust des Bindegewebes. Ein anschauliches Beispiel ist die harmlose Cellulitis. Doch die Verschlackung der extrazellulären Matrix geht meistens mit schleichenden Entzündungsprozessen, oxidativem Stress und nicht-enzymatischen Glykosilierungsprozessen einher. Die Erschöpfung der Pufferkapazitäten der extrazellulären Matrix stellt den Körper weiterhin vor das Problem den Blut-pH-Wert trotzdem konstant halten zu müssen.

Übersäuerung führt zu Abbau der Mineralstoffdepots von Calcium & Magnesium

Ein Weg, Säuren im Blut zu neutralisieren, stellt der Abbau von Mineralstoffen (Calcium und Magnesium) aus dem Knochen dar. Zusätzlich werden durch die Säurebelastung proentzündliche Signalwege aktiviert und knochenaufbauende Osteoblasten gehemmt. Die chronische Übersäuerung fördert somit gleich auf zwei unterschiedliche Wege den Abbau der Knochensubstanz. Davor macht sich allerdings meistens eine Demineralisierung von Haaren und Nägeln und Zähnen bemerkbar. Die Säuren werden mit Mineralstoffen neutralisiert, Verkalkungen können sich im Körper breit machen. Nerven-, Sehnen-, Muskel- und Gelenkschmerzen gehen damit häufig einher. Auch Magen-Darm-Schleimhautreizungen, Verstopfung, Störungen des Immunsystems wie Allergien und rheumatische Erkrankungen werden durch eine Übersäuerung begünstigt. Zu viele Säuren im Gewebe unterstützen zudem schleichende Entzündungen und spielen nicht selten eine zentrale Rolle bei chronischen Schmerzzuständen wie Rheuma, Rückenschmerzen, Migräne und Kopfschmerzen. Im Extremfall mobilisiert der Körper zum Ausgleich des Säureüberschusses stickstoffhaltige Basen wie das zytotoxische Ammoniak. Ammoniak wird durch den Abbau von stickstoffhaltigen Aminosäuren – vorwiegend Glutamin – bereitgestellt. Das kann auf Dauer zum Muskelabbau führen, der häufig bei älteren Patienten mit latenter Azidose zu beobachten ist. Glutamin ist jedoch auch die Vorstufe des Neurotransmitters Glutaminsäure und Bestandteil von Glutathion, eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien.[1]

Wie kann man Übersäuerung feststellen?

Intrazelluläre Übersäuerung nicht messbar

Kalium und Magnesium sind die intrazellulär wichtigsten Ionen, die bei Protonenüberschuss aus dem Intrazellulär- in den Extrazellulärraum verschoben werden. Die Hyperkaliämien und Hypermagnesiämien, die bei einer akuten Azidose auftreten und mit einer intrazellulären Hypokaliämie und Hypomagnesiämie einhergehen, sind bei chronischen Azidosen häufig durch eine vermehrte renale Ausscheidung kompensiert. Die intrazelluläre Azidose ist nicht messbar und stellt durch ihre Hemmung der mitochondrialen Aktivität das größte Problem dar. Die Folge: Die Zellen verarmen an Kalium, die Zellatmung „erstickt“ an den Säuren, die nicht ausgeschieden werden können (Bollaert et al., 1993[3]; Burnell et al., 1974[4]). Ähnliches geschieht mit Magnesium.

Möglichkeiten der Entsäuerung

Entsäuerung durch Zufuhr von basischen Kalium- und Magnesiumsalzen

Eine ausreichende Zufuhr von basischen Kalium- und Magnesiumsalzen bewirkt über die gleichen Mechanismen eine intrazelluläre Entsäuerung. Diese Eigenschaft besitzen nur Kalium und Magnesium – Calcium- und Natriumsalze dagegen leisten diese intrazelluläre Entsäuerung nicht. Insbesondere basisch wirkendes Kalium- und Magnesiumcitrat wirken diesem Prozess entgegen, während Kalium- und Magnesiumchlorid eine Azidose verstärken. Für die Aufnahme von Kalium in die Zelle ist Insulin notwendig, daher ist eine Einnahme von Supplementen mit Kalium- und Magnesiumcitrat gleichzeitig mit einer Mahlzeit sinnvoll.[1]

Citrat, Kalium, Magnesium, Zink als optimale Basenmittel

Das optimale Basenmittel ergänzt nur, was in der modernen Ernährung zu kurz kommt und bei einer sauren Stoffwechsellage verstärkt verbraucht und ausgeschieden wird. Hierzu gehören in Deutschland meist organische Basen wie Citrat, die Mineralstoffe Kalium, Magnesium, in gesundem Maße Calcium und in den meisten Fällen kein Natrium. Ein optimales Basenmittel enthält außerdem Zink, das essentiell für das Entsäuerungsenzym Carbonanhydrase ist und Vitamin D für die Calcium- und Magnesiumaufnahme. Diese Vitalstoffe sind für unsere Gesundheit lebenswichtig, wie die EFSA in ihren Gutachten feststellte:

  • Magnesium z. B. für Energiegewinnung und Reduktion von Müdigkeit sowie für Nerven, gesunde psychische Funktionen, Muskeln und Herzmuskel
  • Kalium z. B. für normalen Blutdruck, Muskeln und Nerven
  • Zink z. B. für Nägel, Haare, Haut, Immunsystem und Säure-Basen-Haushalt
  • Magnesium, Calcium und Vitamin D für Zähne und Knochen

Citrate sollten in jedem Fall die Basis eines optimalen Basenpulvers sein. Denn Bicarbonate bringen viele Nachteile mit sich: Hochalkalische Basenmittel wie Natriumbicarbonat und Calciumcarbonat reagieren bereits im Magen, stoßen unangenehm auf und schädigen die Darm-Flora. Auf Dauer verstärken sie die Ammoniak- und Säurebelastung. Natriumbicarbonat (Natron) reagiert mit der Salzsäure des Magens zu Kochsalz, was auf Dauer die Magenschleimhaut schädigt. Organische Citrate entfalten ihre Wirkung erst im Citratzyklus der Zelle und sind daher sehr Magen-Darm-verträglich. Sie wirken physiologisch und können die anfallenden Stoffwechselsäuren auf naturgemäße Weise neutralisieren. Außerdem sind sie ein natürlicher Bestandteil von Obst und Gemüse.

Bananen, Zitrusfrüchte, getrocknete Aprikosen, Melonen, Blattgemüse, Kartoffeln, Tomaten sowie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Joghurt

So enthalten vor allem Bananen, Zitrusfrüchte, getrocknete Aprikosen, Melonen, grünes Blattgemüse, Kartoffeln, Tomaten sowie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Joghurt besonders viel Kaliumcitrat. Anorganische Carbonate kommen dagegen in natürlichen Lebensmitteln nicht vor.[1]

Ammoniak aus fleischreicher Ernährung giftig für Leber und Darm

Bitterstoffe, Curcumin und Zeolith entlasten Leber und Darm

Säure-Basen- und Energie-Haushalt werden stark durch das Darmmilieu und den Leberstoffwechsel beeinflusst. Fleischreiche, ballaststoffarme Ernährung und hochalkalische Basenmittel wie Natron und Calciumcarbonat fördern ein pathologisches Darmmilieu: Eine Fäulnisflora gewinnt Oberhand und bildet vermehrt leberbelastende Stoffwechselgifte wie Ammoniak, das im basischen Milieu als Gas komplett resorbiert wird und von der Leber entgiftet werden muss. Ammoniak ist etwa 1000-mal giftiger als Alkohol und blockiert den Energiestoffwechsel und den Säureabbau in der Leber. Das hoch potente und ständig anfallende Zellgift hemmt die mitochondriale Energiegewinnung und die Zellatmung und begünstigt damit auf Dauer eine mitochondriale Dysfunktion. Der Leberentlastung dienen z. B. Bitterstoffe und Curcumin (verbesserter Gallenfluss), Ornithin-Aspartat (Ammoniak-Entgiftung), Zeolith (Ammoniak-Ausleitung), rechtsdrehende Milchsäure (Ammoniak-Ausleitung, Bildung von Krebshemmstoff Butyrat) sowie Ballaststoffe (Ammoniak-Ausleitung, Bildung von Butyrat).[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Der Einfluss von Säure-Basen- und Mineralstoff-Haushalt auf Herzrhythmus, Blutdruck, Nierenfunktion, Knochen- und Muskelmasse, Dr. med. Ludwig Manfred Jacob
  2. Heine H (2005): Die extrazelluläre Matrix als Attraktor für Verschlackungensphänomene. Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren,46(5): 263-266.
  3. Bollaert PE, Robin-Lherbier B, Mallie JP, Guilland JC, Straczek J, Larcan A. (1993). Effect of chronic potassium depletion on muscle bioenergetics in rats. Journal of Laboratory and Clinical Medicine 121(5): 668-74.
  4. Burnell JM, Teubner EJ, Simpson DP (1974). Metabolic acidosis accompanying potassium deprivation. American Journal of Physiology. 227:pp. 329-33

Siehe auch