Schmerzmittel

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Nichtopioid-Analgetika (Nieren-schädigend)

Die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR oder NSA) – auch nichtsteroidales Antiphlogistikum (NSAP) oder NSAID (non-steroidal anti-inflammatory drugs) – sind Schmerzmittel (Nichtopioid-Analgetika), die ihrer entzündungshemmenden (antiphlogistischen) Wirkung wegen symptombezogen auch zur Rheumatherapie eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu werden Cortisol und seine Abkömmlinge als steroidale Antirheumatika bezeichnet. Die Kategorie wurde in den späten 1950er Jahren eingeführt, um die Differenz gegen 'steroidale Antirheumatika' mit ihren teils schweren Nebenwirkungen zu markieren.[1]

Acetylsalicylsäure (NSAR, Nieren-schädigend)

Salicylsäure wurde traditionell in Form von Weidenrindenextrakten (Salix alba) verwendet bei Fieber und Schmerzen. Acetylsalicylsäure wurde 1897 von Felix Hoffmann (Bayer) synthetisiert und kam als Aspirin® auf den Markt (Aspirin von Acetylierte Spirsäure, Spirsäure/Salicylsäure ist enthalten in Filipendula (Spiraea) ulmaria (Mädesüß)):

Wirkung:

  • Thrombozytenaggregationshemmung: Hemmung v.a. der TxA2-synthetisierenden COX1 in den Thrombozyten durch irreversible Acetylierung (→Ind. bei Herzinfarkt-Prophylaxe). Das Endothel produziert PGI2 v.a. über COX2, die weniger empfindlich auf ASS reagiert und zudem schneller regeneriert werden kann, was den kernlosen Thrombozyten nicht möglich ist. Das Gleichgewicht zwischen TxA2 und PGI2 wird zugunsten des antithrombogenen PGI2 verschoben.
  • Analgetisch und antiinflammatorisch durch Hemmung der Prostaglandinsynthese

UAW (Unerwünschte Arneimittelwirkung):

  • Erhöhte Blutungsneigung
  • Gastritis, Ulcus, Übelkeit (lokal: Anreicherung saurer Valenzen im Magenepithel, systemisch: die Produktion Schleimhautschützender Prostaglandine ist vermindert)
  • allergische Reaktionen
  • Asthmaanfall (Verlagerung der Mediatorsynthese von der PG- auf die Leukotriensynthese)
  • Einschränkung der Nierenfunktion (Synthesehemmung vasodilatatorischer PG im Nierengefäßbett)
  • Hemmung der Harnsäureausscheidung (Konkurrenz am Tubulus-Transporter für organische Säuren)[2]

Kontraindikationen:
Letztes Trimenon, Kinder, Ulcus, Gerinnungsstörungen, operative Eingriffe (7 Tage davor absetzen bzw. Präparatewechsel), Vorsicht bei Niereninsuffizienz, eher ungeignet bei Gichtanfall.

Ibuprofen (NSAR, stark Nieren-schädigend)

Anwendung:

  • leichte bis mäßig starke Schmerzen
  • rheumatischen Erkrankungen
  • Gichtanfall
  • Fieber[2]

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen), Magen- Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Störung der Blutbildung, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma, Nierenschäden, Hautausschlag, Aufhebung der Thrombozytenaggregationshemmung von ASS bei gleichzeitiger Einnahme[2]

Kontraindikation:

  • Blutungsneigung
  • Gastritis oder Ulcus (auch bei Verdacht)
  • Allergische Erkrankungen, Asthma
  • schwere Nieren- und Leberfunktionsstörung
  • Schwangerschaft und Stillzeit[2]

Paracetamol (Nicht-NSAR, Nieren-schädigend & stark Leber-schädigend)

Wirkung:
Hemmung der PG-Synthese peripher und auf spinaler Ebene, keine Anreicherung im entzündeten Gewebe -> keine antiphlogistische Wirkung.

Anwendung:

  • Kopf- und Zahnschmerzen,
  • rheumatische Erkrankungen,
  • postoperative Schmerztherapie,
  • Fieber

Nebenwirkung:
In höheren Dosen hepatotoxisch (CYP450-abhängige Giftung von Paracetamol zu N-Acetyl-p-Benzochinonimin (NAPQI), Sättigung der Glutathion-abhängigen Entgiftung von NAPQI bei Überdosis) -> Leberzellnekrose, akutes Leberversagen. Durch Überdosierung kann es auch zu tubulären Nekrosen oder interstitieller Nephritis kommen.

Zu beachten: Kindersicher aufbewahren! Vorsicht bei Leberschaden![2]

Wirkungsweise (Pharmakodynamik) von Paracetamol (Nicht-NSAR)

Anders als die Schmerzmittel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen besitzt Paracetamol eine lediglich unter Laborbedingungen feststellbare entzündungshemmende Wirkung und wird entsprechend nicht in die Gruppe der klassischen „nicht-steroidalen Entzündungshemmer“ (auch: nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR; englisch non-steroidal anti-inflammatory drugs, NSAID) eingeordnet. Im Gegensatz zu den klassischen NSAR hat Paracetamol kaum Wirkung auf die periphere Cyclooxygenase. Aus diesem Grund sind die Nebenwirkungen (u. a. Magen-Darm-Ulzera) deutlich geringer ausgeprägt. Paracetamol hat auch praktisch keinen Einfluss auf die Aggregation der Blutplättchen und somit keine blutgerinnungshemmende Wirkung wie Acetylsalicylsäure. Der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol ist bis heute nicht bekannt. Bekannt ist, dass mehrere, kontrovers diskutierte Mechanismen zusammenspielen, und dass der schmerzstillende Effekt zu einem nicht unerheblichen Teil in Gehirn und Rückenmark zustande kommt.[3]

Paracetamol und Ibuprofen erhöhen Risiko für Hörverlust

Wie eine US-Studie belegt, sollen Frauen, die häufiger als zweimal pro Woche Schmerztabletten einnehmen, ein erhöhtes Risiko für einen Hörverlust aufweisen:[4]
Langzeitstudie mit 55.650 Teilnehmerinnen
55.850 Amerikanerinnen nahmen an der Langzeitstudie von Dr. Gary Curhan, vom Brigham and Women's Hospital über sechs Jahre lang teil. Die Patientinnen nahmen über diesen Zeitraum mindestens zweimal pro Woche Schmerzmittel ein. Das fanden die Forscher heraus: Rund 33 Prozent der Teilnehmerinnen berichteten den Forschern von persönlichen Erfahrungen mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten plötzlichen Hörverlust. Rund fünf Prozent der Hörverluste konnten die Forscher mit der Einnahme von Paracetamol und Ibuprofen in Verbindung bringen. Das heißt, dass bei einer von 20 Teilnehmerinnen der Hörverlust mit der Einnahme der Schmerzmittel einherging. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im „American Journal of Epidemology“.[4]
Zerstörerische Wirkung auf das Innenohr vermutet
Bereits frühere Studien hatten Hinweise darauf gegeben, dass häufig verwendete Schmerzmittel wie nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), darunter Paracetamol, Ibuprofen sowie Acetylsalicylsäure (ASS), ototoxisch sein können. Das heißt, sie stehen im Verdacht, eine zerstörerische Wirkung auf das Innenohr – insbesondere die Sinneszellen oder die zugehörigen Hirnnerven – zu haben.[4]
Ursache ist nicht abschließend geklärt
Die genaue Ursache für den Gehörverlust ist nicht geklärt. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Schmerzmittel die kleinen Schutzhärchen in der Ohrmuschel zerstören und dafür sorgen, dass die Blutversorgung im Innenohr abgeschnitten wird, so die Erklärung in der Daily Mail. Dadurch sei das Ohr vor eventuellen Hörschäden ungeschützt. Nur für Aspirin konnten die Forscher kein erhöhtes Risiko feststellen.[4]

Opioide

Tramadol / Tramal (geringere Organschädigung als NSAR)

Tramadol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Opioide und wird zur Behandlung mäßig starker bis starker Schmerzen verwendet. Von der Grünenthal GmbH wurde die Substanz synthetisch entwickelt und 1977 als Arzneimittel unter dem Namen Tramal auf den Markt gebracht. Tramadol wurde 1977 von Grünenthal patentiert und ist als Generikum im Handel.[5]

Tramadol ist ein Agonist der μ-, δ- und κ-Opioidrezeptoren im Nervengewebe. Die Affinität ist jedoch gering und zeigt auch keine besondere Spezifität zu den einzelnen Opioidrezeptoren. Die Dämpfung der Schmerzwahrnehmung wird daher auch durch andere Mechanismen vermittelt: durch Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin in das Neuron und die Verstärkung der Serotonin-Freisetzung durch das (−)-Enantiomer.[6][7] Dieser Wirkmechanismus erklärt auch die leicht antidepressive und anxiolytische Wirkung, die bei einer Schmerztherapie nicht unerwünscht ist. Das vermehrte Auftreten von Übelkeit als unerwünschte Wirkung wird auch durch die verstärkte Serotonin-Freisetzung erklärt.[8]

Die analgetische Potenz beträgt das 0,1-fache von Morphin. Tramadol ist neben Meptazinol das einzige zugelassene injizierbare Opioid-Analgetikum, das in Deutschland nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Tramal schädigt Organe weniger als entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)

Hervorzuheben ist die geringe organotoxische Wirkung von Tramadol (und fast aller anderen zentral wirkenden Analgetika/Opioiden); ganz im Gegensatz zu entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie NSAR, die in hohem Maße Magen (z. B. Acetylsalicylsäure), Darm, Niere, Leber und andere Organe schädigen können. Dagegen steht die mit bis zu 30 % recht hohe Non-Responder-Rate; dies bedeutet, dass 30 Prozent der Personen, die Tramadol einnehmen, nicht darauf reagieren bzw. nicht die erwartete schmerzstillende Wirkung eintritt. Tramadol wird bei oraler Gabe zu etwa 95 % resorbiert. Die orale Bioverfügbarkeit wird mit 60 bis 75 % und die Plasmahalbwertszeit mit etwa 5 bis 6 Stunden angegeben.[8] Trotzdem ist in der Gebrauchsinformation von TRAMAL 50 mg-Kapseln zu lesen: "Wenn Sie an einer schweren Leber- und/oder Nierenfunktionsschwäche leiden, sollten die Abstände zwischen den Einnahmen verlängert werden.

Tramal-Anwendungsgebiete

Tramadol ist angezeigt zur Behandlung von mäßig starken bis starken Schmerzen und kann peroral, rektal und intravenös verabreicht werden.

Bei der Einnahme von mehreren unterschiedlich starken Opioiden wird das schwächere Präparat nicht verdrängt, weshalb die WHO eine aufbauend dreistufige Schmerztherapie mit entweder schwachen Opiaten (Stufe 2) oder starken Opiaten (Stufe 3) empfiehlt. Außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete wird Tramadol im sogenannten Off-Label-Use zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms verwendet.[8]

Eine weitere Off-Label-Anwendung ist die Behandlung von ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss).[9][10]

Nebenwirkungen von Tramal

Nebenwirkungen wie Schwitzen, Sedierung und Verwirrtheit können auftreten, ebenso wie Schläfrigkeit und verschwommene Sicht. In therapeutischer Dosierung hat Tramadol wegen seiner geringen μ-Selektivität keinen beachtenswerten Einfluss auf die Atmung und den Pulmonalarteriendruck. Häufig wird eine starke Übelkeit beobachtet sowohl bei oraler Gabe als auch bei zu schneller Injektion. Blutdruck und Pulsfrequenz werden kaum beeinflusst. Von Krampfanfällen wurde berichtet, insbesondere bei Gabe von Dosen oberhalb der therapeutischen Dosis.

Gewöhnung und Abhängigkeitspotential von Tramal

Als Agonist (u. a.) des μ-Opioidrezeptors besteht grundsätzlich ein Abhängigkeitspotential, besonders bei nicht-bestimmungsgemäßem Gebrauch. Generell sollte die Dosis nach dem Grundsatz „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ gegen den Schmerz titriert werden.


Cannabinoide (nicht Nieren-schädigend)

Enthalten im Blütenharz von Hanf (Cannabis sativa), Wirkung am Cannabinoidrezeptor (Endogener Ligand ist das Arachidonsäurederivat Anandamid)

Wirkstoffe: Δ-9-Tetrahydrocannabinol (natürlich), Dronabinol (halbsynthetisch)[2]

Wirkung: Agonist an den Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 (Gi/0 -> cAMP↓) -> analgetisch bei bestimmten Schmerzformen und Wirkungsverstärkung von Opioiden, spasmolytisch, appetitsteigernd, antiemetisch, augeninnendrucksenkend, psychotrop

Ungewünschte Arzneimittelwirkung:
dosisabhängig Sedierung, Stimmungs- und Wahrnehmungsveränderungen, Gewöhnung[2]

Anwendung:
Neuropathische und/oder chronische Schmerzen, Kachexie bei konsumierenden Erkrankungen (Tumor, AIDS), Übelkeit/Erbrechen unter Chemotherapie, Spastizitätsminderung bei Multipler Sklerose.

Kontraindikationen:
Vorsicht bei psychiatrischen Erkrankungen, ansonsten große therapeutische Breite.[2]

Cannabidiol (CBD) reduzierte im Tierversuch Nierenschäden

Das nicht psychotrope Cannabinoid Cannabidiol (CBD) reduzierte im Tierversuch die durch Cisplatin induzierten Nierenschäden. Cisplatin wird bei Chemotherapien gegen Krebs verwendet. CBD reduzierte den oxidativen Stress, die Entzündung und den Zelltod in den Nieren und verbesserte die Nierenfunktion. Die Forscher folgerten, dass "Cannabidiol eine vielversprechende neue Strategie zum Schutz vor einer Cisplatin-induzierten Nierentoxizität darstellt". (Quelle: Pan H, et al. J Pharmacol Exp Ther, 12. Dezember 2008) [11]

Therapeutisches Potenzial von Cannabinoiden bei Leberkrebs

Wissenschaftler der Universität von Palermo (Italien) zeigten, dass ein synthetisches Cannabinoid (WIN55,212-2) einen programmierten Zelltod von Leberkrebszellen verursachte. Dies weist auf ein therapeutisches Potenzial von Cannabinoiden bei Leberkrebs hin. (Quelle: Giuliano M, et al. Biochimie, 27. November 2008)[11]

Schmerzlindernde Eigenschaften von Cannabisprodukten nachgewiesen

Große klinische Studien haben schmerzlindernde Eigenschaften von Cannabisprodukten nachgewiesen. Zu den möglichen Indikationen zählen neuropathische Schmerzen bei multipler Sklerose, Armplexusschädigung und HIV, Schmerzen bei rheumatoider Arthritis, Krebsschmerzen, Kopfschmerzen, Menstruationsschmerzen, chronische Darmentzündungen und Neuralgien. Eine Kombination mit Opiaten ist möglich.[12]

DRONABINOL: THC reduziert chronische Schmerzen bei unzureichender Schmerzlinderung durch Opioide

Nach einer Studie, die von Forschern der Harvard-Universität in Boston durchgeführt wurde, reduzierte THC (Dronabinol) Schmerzen bei 30 Patienten, die Opioide gegen chronische Schmerzen einnahmen. Die Phase I dieser zweiphasigen Studie war eine doppelblinde Studie, in der die Teilnehmer einmalig zu drei verschiedenen Terminen entweder 10 mg oder 20 mg THC oder identische Plazebokapseln erhielten. Die Phase II war eine offene, individuell dosierte Studie mit THC als Zusatzmedikation bei Patienten mit stabilen Opiatsdosen.

Ergebnisse der Phase-I-Studie zeigten, dass Patienten, die THC erhielten, eine reduzierte Schmerzintensität im Vergleich mit dem Plazebo erlebten. Es wurden keine Unterschiede im Nutzen zwischen den beiden THC-Dosen gefunden. In der Phase-II-Studie trug titriertes THC signifikant zur Schmerzlinderung bei und erhöhte verglichen mit dem Ausgangswert die Zufriedenheit. Die Häufigkeit der Nebenwirkungen war dosisabhängig. Insgesamt führte die Verwendung von THC zu einer zusätzlichen Schmerzlinderung bei Patienten, die Opioide gegen chronische Schmerzen einnahmen.

(Quelle: Narang S, Gibson D, Wasan AD, Ross EL, Michna E, Nedeljkovic SS, Jamison RN. Efficacy of Dronabinol as an Adjuvant Treatment for Chronic Pain Patients on Opioid Therapy. J Pain, 12. Dezember 2007)[13]

Tödliche Dosis ca. 9000 mg THC /kg Körpergewicht

Todesfälle nach Cannabisvergiftung sind nicht beschrieben. Die mediane tödliche Dosis bei Ratten lag je nach Art zwischen 800 und 1.900 mg orales THC pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Studien mit Affen traten selbst nach den höchsten verwendeten Dosen von 9.000 mg/kg orales THC keine Todesfälle auf. Alle möglichen Nebenwirkungen sind dosisabhängig. Es sollte möglichst einschleichend dosiert werden, also mit geringen Dosen begonnen werden, so dass die individuelle Dosis ermittelt werden kann und keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten.[14]

Akute Nebenwirkungen von Cannabis

Zu den bekannten psychischen Nebenwirkungen zählen Sedierung, Euphorie ("High"), Missstimmung, Angst zu sterben, Gefühl des Kontrollverlustes, Einschränkung der Gedächtnisleistung, veränderte Zeitwahrnehmung, Depression, Halluzinationen. Bei starken psychischen Nebenwirkungen sollte der Betroffene an einen ruhigen Ort gebracht und verbal beruhigt werden. Die Denkleistung und die psychomotorische Leistungsfähigkeit ist vermindert. Eine diskrete Verminderung der psychomotorischen Leistung kann bis zu 24 Stunden nach THC-Gabe beobachtet werden.

Akute häufige physische Nebenwirkungen sind trockener Mund, Bewegungsstörung, Muskelschwäche, verwaschene Sprache, Steigerung der Herzfrequenz, Blutdruckabfall im Stehen, eventuell mit Schwindelgefühl. Bei Schwindelgefühl sollte sich der Betroffene hinlegen. Im Liegen wird eher ein leicht erhöhter Blutdruck gemessen. Seltene Nebenwirkungen sind Übelkeit und Kopfschmerzen. Alle akuten Nebenwirkungen sind dosisabhängig und verschwinden ohne spezifische Therapie im allgemeinen innerhalb von Stunden bis zu 1-3 Tagen.[14]

Nebenwirkungen nach Cannabis-Langzeittherapie

Für eine Vielzahl von Wirkungen ist die Entwicklung einer Toleranz beschrieben, darunter für die psychischen Wirkungen, die psychomotorische Beeinträchtigung, Wirkungen auf Herz und Kreislauf, Wirkungen auf das Hormonsystem, Augeninnendruck, brechreizhemmende Effekte. Toleranz bedeutet, dass die Wirkung mit der Dauer der Cannabisverwendung abnimmt. Sie kann bei wiederholter Gabe innerhalb von Wochen in unterschiedlichem Maße für verschiedene Wirkungen auftreten.

Cannabis besitzt ein Suchtpotential. Abhängigkeit ist kein großes Problem im Rahmen einer Behandlung von Erkrankungen, jedoch können Entzugssymptome unerwünscht sein. Entzugssymptome wurden bisher nicht bei Patienten beschrieben, die chronisch mit THC behandelt wurden. Entzugssymptome wurden jedoch bei Konsumenten beobachtet, die Cannabis zu Rauschzwecken konsumierten. Dabei können psychische Symptome (Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit) und körperliche Symptome (Speichelfluss, Durchfall) auftreten.

Der Verlauf einer Psychose kann ungünstig beeinflusst werden. Bei entsprechend veranlagten Personen kann möglicherweise der Ausbruch einer Psychose beschleunigt werden. Cannabinoide üben komplexe Wirkungen auf männliche und weibliche Geschlechtshormone aus, deren klinische Relevanz in therapeutischer Dosierung gering ist. Es wurden vereinzelt weibliche Zyklen ohne Eisprung und eine Beeinträchtigung der Spermienbildung beschrieben. Im Tierversuch wirkt THC in hohen Dosen hemmend auf verschiedene Aspekte des Immunsystems. In geringen Dosen wurden sowohl immununterdrückende als auch immunstimulierende Effekte nachgewiesen. Cannabiskonsum beschleunigt nicht den Verlauf einer AIDS-Erkrankung, dennoch könnte eine chronische THC-Gabe ungünstig bei anderweitig immunbeeinträchtigten Personen wirken.[14]

Neue Suchtgiftverordnung Österreichs 2015: Schmerzmittel aus Hanf auf ärztliche Verschreibung

Zu medizinischen Zwecken wurde THC in Österreich bisher künstlich hergestellt. Eine Änderung in der Suchtgiftverordnung soll nun den Einsatz klassischer Hanfpflanzen ermöglichen. In der Schmerzmedizin werden aus Cannabis gewonnene Arzneimittel bei Patienten, die an multipler Sklerose erkrankt sind, Chemotherapien bekommen oder an Neuropathien leiden, eingesetzt. Die Behandlung verbessere Appetit und reduziere Schmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Neben dem bisher eingesetzten halbsynthetischen Industriehanf, soll THC nun auch aus sogenanntem "Drogenhanf" gewonnen werden.In Österreich soll ein neues Cannabinol-Mittel per Magistraliter-Rezept für Patienten verschreibbar werden. Die Voraussetzung dafür soll im Sommer 2015 eine Novellierung der Suchtgiftverordnung schaffen. Neu - solche THC-Mittel gibt es längst aus halbsynthetischer Herstellung - ist die Produktion des Wirkstoffes aus klassischen Hanfpflanzen, die unter Aufsicht der AGES kultiviert werden. "In der 2015 geplanten Novelle zur Suchtgiftverordnung ist die Schaffung der Möglichkeit enthalten, dass der Wirkstoff aus hoch potenten Hanfpflanzen in der Medizin auf ärztliche Verschreibung eingesetzt werden kann", sagte Johanna Schopper vom österreichischen Gesundheitsministerium am Mittwoch, dem 8.7.2015. An sich gibt es solche Fertigmedikamente oder THC-Wirksubstanzen für Magistraliter-Zubereitungen durch Apotheken auf ärztliches Rezept schon seit vielen Jahren.[15]

Was sich ab 2015 ändert?
Der Wiener Schmerzspezialist Hans-Georg Kress (AKH/MedUni Wien), der am Mittwoch bei einer Veranstaltung der European Pain School in Warschau dazu einen Vortrag hielt: "Was sich ändert? Früher hat man den Wirkstoff (Tetrahydrocannabinol; Anm.) aus Industriehanf mit einem synthetischen Zwischenschritt hergestellt. Jetzt macht man das auch aus 'Drogenhanf'. Das ist auch billiger." Cannabinoide, zum Beispiel Dronabinol, werden seit vielen Jahren in vielen Staaten als Arzneimittel eingesetzt - zumeist in Kapselform oder eben als Zubereitungen. "Zunächst hat man Dronabinol als antiemetische Substanz (gegen Übelkeit und Erbrechen; Anm.) verwendet, auch zur Steigerung des Appetits", sagte Kress. "Aber schon 1975 gab es erste Studien, die eine Wirkung gegen Schmerzen belegten."

THC-Präparate nicht effektiv bei akuten Schmerzen
Am besten dokumentiert sei für die THC-Präparate die Wirksamkeit bei "zentralen neuropathischen Schmerzen bei der Multiplen Sklerose", bei peripheren neuropathischen Schmerzen und bei manchen Krebspatienten als Zusatzmedikation zu Opioiden, wenn die Patienten nicht genügend darauf ansprechen, betonte Kress. Nicht effektiv seien solche Medikamente bei akuten Schmerzzuständen. Dass das Wirkstoffgemisch beim Rauchen von Cannabis & Co. einen besseren Effekt als die synthetischen, halbsynthetischen oder aus Drogenhanf gewonnenen Produkte hätte, sei ein "Mythos". Der einzige Unterschied sei, dass sich beim Rauchen der Droge THC schneller im Körper verteilt.[15]

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: NSAR, abgerufen am 26. Juni 2015
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Pharmakologie und Toxikologie: Analgetika
  3. Wikipedia: Paracetamol, abgerufen am 25. Juni 2015
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Taub durch Schmerzmittel Paracetamol und Ibuprofen erhöhen Risiko für Hörverlust:Frauen, die 2x in der Woche zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen greifen, könnten damit ihr Gehör nachhaltig schädigen; Langzeitstudie von Dr. Gary Curhan, vom Brigham and Women's Hospital; 21.12.2016
  5. Römpp Lexikon Chemie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart - New York, 10. Auflage, 1999, S. 4601.
  6. Hans Walter Striebel: Therapie chronischer Schmerzen: Ein praktischer Leitfaden. Schattauer Verlag, 4. Ausgabe 2001, ISBN 978-3-7945-2146-3, S. 24.
  7. Raffa RB, Friderichs E, Reimann W, Shank RP, Codd EE, Vaught JL (1992) "Opioid and nonopioid components independently contribute to the mechanism of action of tramadol, an 'atypical' opioid analgesic." J Pharmacol Exp Ther 260:275-285.
  8. 8,0 8,1 8,2 Wikipedia: Tramadol, abgerufen am 25. Juni 2015
  9. Safarinejad, Mohammad Reza MD; Hosseini, Seyyed Yoosof MD: Safety and Efficacy of Tramadol in the Treatment of Premature Ejaculation: A Double-blind, Placebo-Controlled, Fixed-Dose, Randomized Study. In: Journal of Clinical Psychopharmacology, 2006, 26:27–31.
  10. Salem, E. A., Wilson, S. K., Bissada, N. K., Delk, J. R., Hellstrom, W. J. and Cleves, M. A. (2008), Tramadol HCL has Promise in On-Demand Use to Treat Premature Ejaculation. In: The Journal of Sexual Medicine, 5: 188–193, DOI:10.1111/j.1743-6109.2006.00424.x.
  11. 11,0 11,1 IACM-Informationen vom 20. Dezember 2008, Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente, Am Mildenweg 6, 59602 Ruethen, Deutschland
  12. Cannabis reduziert Schmerzzustände, IACM: Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente, Am Mildenweg 6, 59602 Ruethen, Deutschland
  13. Dronabinol: THC reduziert chronische Schmerzen bei Patienten mit unzureichender Schmerzlinderung durch Opioide, IACM: Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente, Am Mildenweg 6, 59602 Ruethen, Deutschland
  14. 14,0 14,1 14,2 Cannabis-Nebenwirkungen, IACM: Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente, Am Mildenweg 6, 59602 Ruethen, Deutschland
  15. 15,0 15,1 Medikamente aus Hanfpflanzen auf Rezept: Zu medizinischen Zwecken wurde THC in Österreich bisher künstlich hergestellt. Eine Änderung in der Suchtgiftverordnung soll nun den Einsatz klassischer Hanfpflanzen ermöglichen, Die Presse, 8.7.2015

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Siehe auch

Weblinks

  • Nierenfunktionsrechner – neu: Nierenfunktionsrechner eGFR-Online-Rechner berücksichtigt Formeln CKD-EPI/ MDRD/ Cockcroft-Gault/Majo/ Kreatinin und Cystatin-C sowie Formeln für Jugendliche. Weiterhin gibt die Web-Seite hilfreiche Informationen zur gesunden Nieren, zu Nierenerkrankungen, zu den Stadien, zu den Markern
  •  Thomas, Christian; Thomas, Lothar: Niereninsuffizienz – Bestimmung der glomerulären Funktion. In: Dtsch Arztebl Int. Nr. 106(51-52), 2009, S. 849–854 (aerzteblatt.de).
  • www.dosing.de – Liste nierenrelevanter Arzneimittel (Dosierungshinweise, Dettli-Formel, GFR-Berechnung, Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz) des Universitätsklinikums Heidelberg
  • ge-healthcare-buchler.de – Berechnung der GFR nach Cockcroft-Gault-Formel, hier Kalkulator als Freewareprogramm zum Download
  • Kreatinin-Clearance-Rechner – Bestimmung der Nierenfunktion anhand der MDRD- und der Cockcroft-Gault-Formel incl. Kalkulator zum Download (industriegesponsorte Seite)
  • GFR Kalkulator Cockcroft-Gault – Online-GFR-Kalkulator nach Cockcroft-Gault-Formel
  • GFR Kalkulator Jeliffe – Online-GFR-Kalkulator nach Jeliffe-Formel
  • GFR Kalkulator Chatelut – Online-GFR-Kalkulator nach Chatelut-Form